SMART-Training

„Stop! Ich mag das nicht!“ In einer unmissverständlichen Geste reckt mir meine noch nicht ganz vierjährige Tochter ihre Hand entgegen und demonstriert, wie sie sich gegen andere behauptet. Während ich von ihrer Geburt an bemüht war, ihr körperliches Selbstbewusstsein und ihre Selbstbestimmung im Rahmen des Möglichen zu respektieren (eine vollgemachte Windel muss nun mal gewechselt werden, aber wenn kein Küsschen gewünscht ist, dann gibt es kein Küsschen!), bleibt doch immer ein Rest Angst, das eigene Kind könne sich möglicherweise in anderen Situationen nicht zur Wehr setzen, aus welchen Gründen auch immer.

Die Fähigkeit zur (gewaltfreien) Selbstbehauptung, sowohl gegenüber Gleichaltrigen wie auch gegenüber Erwachsenen, kann durch ein frühes Training erlernt und/oder bestärkt werden. Das SMART-Team (http://www.smart-team.de/index.html) spielt mit theaterpädagogischen Mitteln – mit Kuscheltieren, aber auch in Rollenspielen – Situationen nach, in denen Kinder für sich selbst und ihre Sicherheit einstehen müssen. Auf dem begleitenden Elternabend kann man sich davon überzeugen, dass hier keine unnötigen Ängste geschürt werden oder die Kinder zu Handlungen bewegt werden sollen, die sie im wirklichen Leben nicht umsetzen können. Vielmehr werden das Vertrauen in ihre eigene Intuition gestärkt und mögliche Lösungswege aufgezeigt, die je nach angesprochener Situation unterschiedlich sein können: Bei einem älteren Kind, das vielleicht unwissentlich Grenzen überschreitet, darf auch mal wiederholt darauf hingewiesen werden; wenn ein Erwachsener sich „komisch“ oder unangemessen verhält, darf das Kind sich nicht nur sofort von ihm entfernen, es darf und soll auch erwachsene Vertrauenspersonen informieren.

Wichtig für mich als Elternteil ist dieses Training , weil ich nun weiß, dass mein Kind für kritische Situationen in diesem Lebensabschnitt nicht nur die richtigen Worte und Handlungsalternativen hat, sondern auch versteht, ein Recht darauf zu haben, sich zur Wehr zu setzen. Auch für die Zukunft sehe ich darin wichtige Grundsteine gelegt: Mein Kind kann mit eigenem Selbst-Bewusstsein und Vertrauen in die eigene Intuition auch die Gefühle und Handlungen anderer Kinder akzeptieren und respektieren; weiterführend gehört dazu auch, sich in Situationen für andere einzusetzen, die sich nicht selbst zur Wehr setzen (können). Nicht ohne Grund ist ein weiteres Thema der SMART-Sicherheitstrainings in der Grundschule das Thema „Mobbing“ – nicht nur für mögliche Opfer, auch für mögliche Täter und Beisteher.

Unsere Aufgabe als Eltern besteht nach dem Training darin, mit dem Kind immer wieder über die Inhalte des Trainings zu sprechen, aber auch das, was das Kind davon umsetzt, anzuerkennen und zu respektieren. Und uns als Vertrauenspersonen würdig zu erweisen.